Was ihr eigentlich kauft
Ein Song besteht rechtlich aus zwei Teilen: der Komposition mit Text, deren Rechte meist ein Musikverlag vertritt, und der konkreten Aufnahme, deren Rechte meist beim Label liegen. Für Werbung braucht ihr in der Regel beide. Ihr erwerbt dabei kein Eigentum, sondern ein Nutzungsrecht: für bestimmte Medien, ein bestimmtes Gebiet und eine bestimmte Zeit.
Unsere Faustregel: Je genauer ihr wisst, wo die Musik laufen soll, desto günstiger und schneller wird die Lizenz. Unklare Anfragen führen zu teuren Pauschalangeboten oder zu Rechten, die am Ende nicht reichen.
Dieser Artikel gibt einen praxisnahen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Grundlagen zu GEMA und Verwertungsrechten findet ihr im Artikel Musik in der Werbung: Lizenzen, Rechte und GEMA.
Welche Rechte für welchen Einsatz
| Einsatz | Was ihr braucht | Typischer Weg |
|---|---|---|
| Organische Social-Media-Posts | Freigegebene Musik für kommerzielle Nutzung | Kommerzielle Bibliothek der Plattform, Production Music oder eigene Musik |
| Social Ads und Partnerschaftsanzeigen | Rechte für bezahlte Werbung auf der Plattform | Production Music mit Werbelizenz, Sync-Lizenz oder eigene Musik |
| Imagefilm und Website | Recht zur Verbindung mit dem Film (Synchronisation) und Online-Nutzung | Production Music oder Auftragsproduktion |
| TV-, Kino- und Online-Spot | Sync-Rechte an Komposition und Aufnahme für Medien, Gebiet und Laufzeit | Verhandlung mit Verlag und Label oder Auftragsproduktion |
| Event, Messe, Bühne | Aufführungsrechte, meist über die GEMA, bei Videos vom Event zusätzlich Online-Rechte | GEMA-Anmeldung durch den Veranstalter, eigene Musik für Opener und Walk-ins |
| Hintergrundmusik im Geschäft | Rechte für öffentliche Wiedergabe | Vertrag über die GEMA, die auch für die GVL einzieht, oder spezielle Store-Music-Anbieter |
| Warteschleife und Podcast | Nutzungsrechte für den jeweiligen Einsatz | Production Music oder eigener Sound |
Wichtig für Social Media: Was in der App als Song angeboten wird, ist für Unternehmen meist nicht freigegeben. Details im Artikel Musik auf Instagram und TikTok.
So lizenziert ihr einen Song in sechs Schritten
- Nutzung festlegenMedien, Länder, Laufzeit, Länge des verwendeten Ausschnitts und ob ihr Exklusivität braucht.
- Rechteinhaber findenVerlag oder Verlage für die Komposition, Label für die Aufnahme. Bei Songs mit mehreren Urhebern sind oft mehrere Verlage beteiligt.
- Anfrage stellenMit allen Angaben zur Nutzung, idealerweise mit Storyboard oder Rohschnitt.
- VerhandelnPreis, Laufzeit, Optionen zur Verlängerung und mögliche Einschränkungen.
- Vertrag abschließenMit allen Rechteinhabern, bevor der Spot veröffentlicht wird.
- Nutzung dokumentierenMusikmeldung, Laufzeiten im Blick behalten und rechtzeitig verlängern oder ersetzen.
Bei bekannten Songs dauert das oft mehrere Wochen, und eine Absage ist jederzeit möglich, etwa wenn ein Artist seine Musik nicht mit Werbung verbinden möchte. Plant deshalb immer eine Alternative ein.
Was in eine Lizenzanfrage gehört
- Marke, Produkt und Kampagne
- Medien: TV, Kino, Online, Social Media, Paid oder organisch
- Gebiet: Deutschland, DACH, Europa oder weltweit
- Laufzeit und gewünschte Verlängerungsoptionen
- Länge und Teil des Songs, der verwendet wird
- Anzahl der Spots und Schnittfassungen
- Geplanter Starttermin
- Wunsch nach Exklusivität in eurer Branche
Die teuersten Fehler
- Rechte nur für den ersten Kanal kaufen: Wer erst für TV lizenziert und später Social Ads ergänzen will, verhandelt neu und zahlt meist mehr als bei einer gemeinsamen Anfrage.
- „Lizenzfrei“ wörtlich nehmen: Lizenzfrei heißt meist nur, dass keine weiteren Gebühren pro Nutzung anfallen. Was erlaubt ist, steht in den Bedingungen, und viele Abos schließen TV oder Paid Ads aus.
- Nur eine Seite klären: Die Rechte an der Aufnahme ohne die Rechte an der Komposition, oder umgekehrt, reichen nicht.
- Den Song vor der Freigabe in den Schnitt legen: Wenn sich alle an den Song gewöhnt haben und die Lizenz scheitert, wird jede Alternative intern abgelehnt.
- Laufzeiten vergessen: Lizenzen enden. Ein Spot, der danach weiterläuft, ist eine Rechtsverletzung.
Wann ihr besser eigene Musik produziert
Ein bekannter Song lohnt sich, wenn genau seine Bekanntheit und Emotion Teil der Idee ist. In vielen anderen Fällen ist eine Auftragsproduktion die bessere Wahl: Sie gehört euch, passt genau zu eurem Spot, lässt sich auf allen Kanälen nutzen und kostet über die Zeit oft weniger als wiederholte Lizenzen. Und sie kann zum Erkennungszeichen eurer Marke werden.
Wir verhandeln Lizenzen für bestehende Songs und produzieren eigene Musik im Haus. Mehr unter Musiklizenzen & Buyouts und Musik produzieren lassen.
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